Soziale Medien

Soziale Netzwerke wie Facebook tragen in demokratischen Gesellschaften eine besondere Verantwortung. Wenn sie der nicht nachkommen, sollte man sie boykottieren.

Social Media Plattformen stellen Funktionalitäten zum digitalen, interakiven Austausch von Informationen und zur mehrseitigen Kommunikation zur Verfügung. Sie unterstützen die Vernetzung ihrer Nutzerschaft, die Bildung sozialer Gemeinschaften und die schnelle Verbreitung beliebiger Inhalte und Meinungen.

Die Präsenz in sozialen Medien scheint heutzutage unabdingbar. Man erzeugt Reichweite, kommt in Kontakt mit Menschen und zeigt Präsenz. Die Umgebung wird beeinflusst. Je größer die Nutzerschaft einer Social Media Plattform, desto mehr Potenzial bietet diese für die Bildung einer eigenen Gemeinschaft gleichgesinnter Menschen und die eigene Reichweite.

Andererseits beeinflusst eine soziale Gemeinschaft, deren Bestandteil man wird, jedes einzelne Mitglied. Und am Ende stellt sich die Frage, ob und in welchem Umfang man sich den Spielregeln von Plattformen unterordnet. 

Das Geschäftsmodell sozialer Medien

Auf irgendeine Art und Weise müssen soziale Medien ihre Kosten bestreiten. Bei kostenfreien Plattformen ist die Währung, mit der Nutzer*innen für die Nutzung der unterschiedlichen Dienste zahlen, ihre Daten und ihre Inhalte, wie beispielsweise Bilder, Texte, Kommentare, Likes sowie Informationen zu den eigenen Vernetzungen, sprich zum Freundeskreis.

Diese Informationen werden zusammengefasst und analysiert. Es werden Profile gebildet. Menschen werden aufgrund vielfältiger Informationen kategorisiert und im Hinblick auf ihre Beeinflussbarkeit durch bestimmte Werbung bewertet. Je besser das gelingt, umso wertvoller wird ein Mensch als Adressat zielgerichteter Werbung. Mit dieser verdient die Plattform dann Geld.

Es ist von vitalem Interesse für werbefinanzierte Plattformen

  • möglichst umfangreiche Informationen für die Profilierung der Nutzerschaft zu erhalten.
  • die durch Nutzer*innen bereitgestellten Inhalte zu maximieren.
  • eine möglichst hohe Interaktionsquote zu den nutzergenerierten Inhalten zu erreichen.

Letztlich entscheiden Software-Automaten darüber, welche Inhalte welchen Menschen in welcher Frequenz und an welchen Positionen  präsentiert werden. Grob gesagt schneiden dabei Inhalte mit dem größten Erregungspotenzial am besten ab. Welche Inhalte muss man einem Menschen servieren, um die Wahrscheinlichkeit für eine anschließende Interaktion zu maximieren.

Es ist die Verantwortung von Allen

Ich selber bin intensiver Nutzer sozialer Netzwerke. Ich verbringe täglich meine Freizeit damit, Inhalte zu erzeugen, zu kommentieren, zu teilen und zu bewerten. Ich habe Kontakt zu vielen ehemaligen Klassenkameradinnen und -Kameraden, zu ehemaligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und zu vielen Menschen, denen ich im Laufe meines Lebens begegnet bin. Ich verfolge deren Mitteilungen, tausche mich mit diesen Menschen aus und eigentlich möchte ich das nicht missen.

Durch das Nutzen von Produkten und Dienstleistungen untertützen und finanzieren wir jedoch Unternehmen sowie deren Heimatstaaten. Gleichzeitig räumt man diesen Unternehmen Einfluss auf die eigene Lebenswelt ein. Dies geschieht auf sehr vielfältige Weise.

Allerdings bin ich mittlerweile zur Überzeugung gelangt, dass ich durch meine Nutzung letztlich menschenverachtende und demokratiegefährdende Plattformen finanziere, stärke und fördere. Offensichtlich kann ich mich nicht darauf verlassen, dass unsere Regierung ihrem zentralen Auftrag nachkommt. Dieser ergibt sich aus unserem Grundgesetz. Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt. Dieses Grundgesetz sagt auch, dass sich das Deutsche Volk zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt bekennt. Ich bin Teil dieses Volkes. Deshalb überdenke ich derzeit meine Präsenz in sozialen Medien generell und werde mich als erste Maßnahme persönlich komplett aus dem Facebook-Imperium verabschieden. Wenn unser Staat nicht handelt, ist es die Verantwortung von uns allen, richtig zu handeln.

Leave Facebook – Abschied aus dem Facebook Imperium.

Warum Facebook? Diesem Unternehmen kommt durch seine Marktposition eine besondere Rolle zu. Damit ist auch eine Verantwortung verbunden, der dieses Unternehmen nach meiner Sicht wiederholt sträflich unter den unterschiedlichsten Blickwinkeln nicht nachkommt.

Facebook

Facebook – Marktführer bei sozialen Netzwerken

Facebook ist mit derzeit etwa 62% Marktführer in Deutschland. Auch Instagram gehört mit etwa 6% Marktanteil zu Facebook und die Messengerdienste WhatsApp und Messenger ebenso. Facebook kann daher aktuell als die dominierende Kraft bei Social-Media- und Kommunikationsdiensten angesehen werden. 

Facebook und Steuern

Betrachtet man die Börsendaten von Facebook zahlte das Unternehmen bei einem Gewinn von 25,361 Milliarden USD in 2018 3,25 Milliarden USD an Steuern. Welche Anteile der Umsätze und Steuern auf Europa und Deutschland entfielen, ist nicht bekannt. Tatsache ist, dass dieses Unternehmen in Europa seine Steuern in Irland abführt und seitens Facebook netterweise die Zusage gemacht wurde, ab Mitte 2019 Teile seiner Werbeeinnahmen in den europäischen Staaten selber zu versteuern. So sollen mehr Werbeumsätze in einzelnen Ländern versteuern anstatt bei seinem internationalen Hauptquartier in Irland. Der Schritt solle mehr Transparenz schaffen, erklärte das in den USA ansässige Online-Netzwerk in einem Blogeintrag. Die Frage ist allerdings, was am Ende in Deutschland hängen bleiben wird. Es steht zu befürchten, dass nach Abzug diverser Kosten ein Betrag übrig bleibt, der niedriger ist, als die durch deutsche Unternehmen abgesetzten Kosten für die Werbeausgaben bei Facebook.

Facebook und Datenschutz

Facebook generiert seine Umsätze und Gewinne zu 98,5% durch Werbeeinnahmen. Und die versilbert Facebook für sich ganz gut. An sich spricht ja nichts dagegen, wenn Menschen freiwillig Daten und Inhalte bereitstellen und im Gegenzug kostenfrei die Dienste der Sozialen Netzwerke nutzen können. Wenn da nicht regelmäßig die Datenschutzskandale wären, in die Facebook regelmäßig verwickelt ist. Und dabei handelt es sich keineswegs nur um die Hackattacken krimineller Menschen, Organisationen und Staaten. Man macht sich auch willfährig zum Gehilfen derartiger Machenschaften. Immerhin verdient man damit ja Geld. Im Folgenden sind hierzu einige Vorkommnisse aufgelistet.

  • Cambridge Analytica – Donald Trumps Wahlkampf stützte sich unter anderem auf detaillierte Persönlichkeitsprofile von mehr als 87 Millionen Facebook-Nutzern.
  • Facebook griff ungefragt die Kontaktdaten von 1,5 Millionen Nutzer*innen ab. Diese gaben Facebook das Passwort zum eigenen Email-Account, um die Identität zu verifizieren.
  • Passwörter von Millionen Nutzer*innen bei Instagram im Klartext gespeichert.

Dies ist nur ein kleiner Auszug der „Pannen“, die Facebook in Zusammenhang mit dem Umgang mit Daten seiner Nutzerschaft passierte. Das zeigt deutlich, wie liederlich mit Grundrechten von Menschen umgeht. Die verborgenen, nach meiner Auffassung kriminellen Gedankenspiele in diesem Unternehmen zeigen auch geleakte Dokumente. Eine schöne Zusammenstellung zu Vorkommnissen in 2018 findet man auch bei NETZPOLITIK.ORG.

Facebook und die Politik

Die Rolle von Facebook bei der Verbreitung von Hassbotschaften ist hinlänglich bekannt. Auch die Rolle für die AfD und rechtsradikale Akteuere ist bekannt. Auch die Einflussnahme interessierter Personenkreise auf Wahlen und Volksentscheide wie den Brexit sind dokumentiert. Allen Beteuerungen zum Trotz scheint dies ein Problem zu sein, welches Facebook positiv formuliert nicht in den Griff bekommt und negativ formuliert wohl auch nicht wirklich will. Einfach gesagt, könnte man, wenn man das Thema für wirklich wichtig halten würde, 20% des Gewinns vor Steuern, also knapp 5,7 Milliarden USD jährlich(!) in den Schutz von Menschenrechten investieren. Aber das würde den Inverstor*innen wohl kaum gefallen. Immerhin würde dann der Gewinn pro Aktie auf etwas mehr als 6,12 USD sinken. Und so freuen sich die Rohingya über die Rolle von Facebook, die einen Beitrag zum Genozid an ihrem Volk leistete.

UN human rights experts investigating a possible genocide in Myanmar have said that Facebook had played a role in spreading hate speech against the majority-Muslim Rohingya minority.

https://www.aljazeera.com/news/2018/03/facebook-role-rohingya-genocide-180313161609822.html

Fazit

Für mich steht mein Entschluss fest. Ich werde mich von diversen asozialen Media-Plattformen verabschieden. Das Facebook-Imperium ist nur ein Anfang. Weitere werden folgen. Was ich mir wünschen würde, wäre eine Social Media Plattform, die einen Beitrag zur Weiterentwicklung unseres Gemeinwesens, der Demokratie und der Menschenrechte leistet. Ich habe meine Zweifel, dass dies mit Unternehmen, deren vorrangiges Ziel die Maximierung der Renditen für Anleger*innen ist, gelingen kann. Und meine Diskussionebeiträge kann man künftig hier verfolgen.

Rüdiger Kladt

Ich werbe für eine innovative, vorwärts gewandte, weltoffene und tolerante Politik, die sich an humanistischen Grundsätzen orientiert. Es ist nicht leicht, die dafür notwendigen politischen Mehrheiten zu überzeugen. Und viele Kompromisse sind lediglich ein Schritt in die richtige Richtung.

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